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Ostalgie

Mythos DDR



Teil 3: Ein Leben im Visier der Geheimdienste


Stasti, Politik und Propaganda erscheinen manchem wichtiger als das Leben in der DDR. Doch gehört nicht alles gleichermaßen zu dem Thema DDR?


Zentrales Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit (MfS,Stasi)   Berlin Hohenschönhausen
©Max Wahrhaftig / Wikimedia 
Keine Frage, die Stasi ist immer für eine Negativ-Schlagzeile gut. Aber weiß ich, ob ich heute nicht schon in irgendeinem Fadenkreuz hänge, nur weil ich positive Dinge über einen ehemaligen „Unrechts-“ Staat erwähne und demnächst meine Computer beschlagnahmt werden? Sowas geht schnell, auch wenn man es garnicht glauben mag oder sich dessen bewusst ist. Es gilt heute als normal, dass alle Nachrichtendienste dieser Welt den Internet- und Mailverkehr beobachten und jede gesendete E-Mail automatisch nach Stichwörtern durchsuchen. So wie es die Öffentlichkeit kaum interessiert hat, dass die EU im Juni 2010 ein Abkommen mit den USA unterzeichnet hat, das den US-Geheimdiensten erlaubt, die Daten von EU-Bankkunden bei außereuropäischen Überweisungen zu prüfen. Erfasst werden Name, Adresse, Empfänger und Höhe einer Banküberweisung wenn ein Europäer Geld in Länder außerhalb der EU schickt. Das ist normal, während das Überwachsen der Geldströme der DDR durch die Stasi eine Bespitzelung war? Es ist wohl alles eine Frage des Standpunktes und der Interessen. Schlagwörter wie „Bekämpfung des internationalen Terrors“ verlieren da auch schnell an Bedeutung wenn man sich erinnert, dass der ehemalige US-Präsident George W. Bush die „Achse des Bösen“ auch schon mitten in Deutschland ausmachte und damit nicht die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland meinte.

Ich möchte nicht die DDR glorifizieren. Es gab viele Seiten, die einer objektiven Betrachtung bedürfen: Der Schießbefehl an der Grenze oder auch die radikale Vorgehensweise gegen Menschen, welche die Staatsordnung ändern wollten. Auf dem Bild zur DDR sollten aber auch die gesellschaftlich positiven Dinge gezeichnet werden, Skizzen zum Alltag des Volkes.

Wer nur einzelne Aspekte heraus pickt, ob positive oder negative, hat keine objektive Berichterstattung im Sinn und muss sich fragen lassen, aus welchem Interesse er die DDR glorifiziert oder zum Teufels-Staat erhebt.

Die Stigmatisierung von in der DDR geborenen Bürgern spüre ich permanent. Bei meinen Recherchen komme ich in direkten Kontakt mit ehemaligen Persönlichkeiten aus der DDR. Eine auch heute noch bekannte und in aller Welt gefeierte „Persönlichkeit“ hatte schlicht „die Nase voll“ von diesem Thema, stellt aber gern Material zur Verfügung. Einige Künstler werden leiser, wenn man das Thema DDR anspricht. Der Vater eines Freundes war ein bedeutender Judoka in der DDR, der einzige, der in der DDR jemals gegen einen Japaner gewonnen hatte. Leider lehnt er jegliche Berichterstattung ab, fürchtet sich wohl vor dem Thema „Doping in der DDR“. Viele Menschen schämen sich für ihr ehemaliges Herkunftsland, eben weil einige Stimmen die DDR samt ihrer Bürger in ein ungünstiges, einseitiges Licht zu rücken versuchen. Die Themen Politik und Propaganda erscheinen manchem wichtiger als das Leben in der DDR. Für mich gehört beides gehört zu dem Thema DDR. Wir müssen mehr aufklären, statt zu verklären oder zu verteufeln.


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Schlagwörter: DDR Mythos Alltag Herrschaft Stasi



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