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Damals 1989-10-23 KW: 43

Tausende Übersiedler Opfer skrupelloser Geschäftemacher


Sie erschleichen sich bereits in Übergangswohnheimen Zugang zu ahnungslosen, neu angekommenen Auswanderern, berichtet der „Spiegel“. Sie nutzen das Unverständnis vieler Übersiedler aus, die ein Leben lang in einer sozialistischen Planwirtschaft lebten, nur subventionierte Preise, überteuerte Preise oder jahrelange Wartezeiten kannten.

Erwartet werden im Jahr 1989 rund 350 000 Spätaussiedler aus dem Ostblock, so wie mehr als 100.000 DDR Übersiedler. Ein riesiger Markt für Nepper, Schlepper und Bauernfänger. Die neuen Bürger aus den sozialistischen Ländern wollen Autos, Versicherungen oder Möbel kaufen, ohne zu ahnen wie ihnen das Geld aus der Tasche gezogen werden kann und wird.

Wer neu in die Bundesrepublik ankommt, ist ständig der Gefahr für dumm verkauft zu werden ausgesetzt. Selbst bisher ehrliche Händler erliegen nicht selten der Versuchung ein Schnäppchen mit der Ahnungslosigkeit hilfloser Konsumenten zu machen.

Fälle gibt es viele. So wurde einem ehemaligen Oberschlesier, 39 Jahre, von einem Autohaus ein Vorführwagen als Neuwagen verkauft. Erst in zweiter Instanz konnte er einen Preisnachlass erstreiten.

Viele Versicherungsmakler verkauften unzureichende Versicherungen, zur vollen Deckung sollten teure Zusatzverträge unterschrieben werden. In Langen, empörte sich ein Betroffener, „ist das halbe Lager verarscht worden“.

Eine sehr hohe kriminelle Energie legte eine Versicherungsagentin im Auffanglager Unna-Massen bei Dortmund an den Tag. Sie erfand selbst Policen selbst und zog mit diesen Phantasie Verträgen Ahnungslosen ihr knappes Geld aus der Tasche.

Auf dem Arbeitsmarkt ging es nicht minder abenteuerlich zu. In einer Masche werden Arbeitssuchenden hohe Einkünfte in ihren erlernten Berufen angeboten, ein Stundenlohn von 20 Mark und mehr. Plötzlich heißt es jedoch sie müssten für die Hälfte des versprochenen Lohns auf einer Baustelle arbeiten. Schwarz, unversichert und übergangsweise für zwei Monate.

Eher wie ein Witz hört sich folgender Fall an: "Ein jugendlicher Pole bestellte - kaum in Unna Massen angekommen - gleich drei Autos. Grund: Weil in Polen die Lieferzeiten recht lang waren, versuchte er in der BRD sein Glück bei verschiedenen Händlern. Aus dieser Situation kam er nur mit massiver Hilfe der örtlichen Verbraucherzentrale heraus.

Eine Masche um Leute abzuzocken, sollte noch Jahrzehnte später zum Alltag in Deutschland gehören Die guten alten Kaffeefahrten. Es waren beliebte Abwechslungen vom Lagerleben. Versprochen wurden billige Reisetouren durch das neue Heimatland. Aufgenötigt wurden Heizdecke und Rheumakissen, bequem auf Raten zahlbar. Sollten die Teilnehmer ablehnen, schlagen die Verkäufer eine härtere Gangart ein.

Dabei tragen eine Mitschuld mitunter die Opfer selber. Sie wehren sich sogar gegen eine allzu strenge Hausordnung und der Abschirmung vor den „Freibeutern des Kapitalismus“. Ein Heimleiter, aus Langen, wurde von den Insassen sinngemäß gerügt: „Wir entscheiden was wir kaufen, wir sind - in der BRD- freie Menschen.“ Wer verließ die DDR damals wegen ersehnter Bürgerrechte oder lediglich der Freiheit auf „Pump kaufen zu dürfen“ was er will?


Quelle: Spiegel


Schlagwörter: 1989 DDR damals Rückblicke Abzocke Aussiedler Übersiedler



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