Ehemaliges HO Hotel Bayrischer Hof in Leipzig Wintergartenstrase 1957
Ein Hotel in der Wintergartenstraße, 200 Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass es dort Gäste gab. Sieht ja recht grusselig aus. Aber es lag zentral 200 Meter neben der City und war relativ bezahlbar für DDR Bürger. Das Essen war ganz okay. Halb- und Vollpension.
Wie kam ich als Leipziger in so ein Hotel? 1988 lernte ich ein Mädel aus "besserem Hause" kennen. Ihre Eltern hatten zwei Häuser und eine Polsterwerkstatt - ich war nur ein Neureicher ohne ordentliche Wohnung aber dafür Geld. Ich wohnte bei Freunden oder in Hotels der Stadt Leipzig. Nur war der Platz bei Freunden nicht immer geeignet um seiner Freundin eine Privatsphäre zu bieten. Also waren wir beide Stammkunde in diesem Hotel für gewisse Abende.
1988/1989 sah es nicht ganz so schlimm aus wie 1957, aber in etwa schon. Ich glaube, das Hotel gibt es nicht mehr. Man beachte auch die Schreibweise. Es hieß nicht "Bayerischer Hof", wie es korrekt wäre, sondern "Bayrischer Hof". Vielleicht wollte die DDR ein traditionelles Hotel nicht mit dem westlichen "Bayern" in Verbindung bringen.
Links nach dem Eingang war die Rezeption, die nicht viele Fragen stellte. Der Frühstücksraum war rechter Hand. Die Zimmer lagen in den oberen Etagen. Sie waren spartanisch eingerichtet, erfüllten aber den Zweck als Schlafraum. Es war sauber, aber nicht luxuriös. Für uns war die Nähe zum Leipziger Zentrum wichtig. Meine Freundin hatte zwar mit 18 Jahren schon einen eigenen nagelneuen grünen Trabi, sowas gab es auch in der DDR dank Geld und Kontakte, aber ich wollte sie ja auch nicht unbedingt als Taxi missbrauchen. Sie fuhr mit dem Trabi nach Haus und ich hatte es auch nicht weit zu meiner Notunterkunft bei Freunden. Ein Hotel wie der „Bayerischer Hof“ war Ideal für mich.
Es gab direkt in der City von Leipzig auch noch anderes Hotels, aber sie kosteten das doppelte bis Mehrfache. Natürlich gab es in Leipzig am Rande der City noch viele andere preiswerte Hotels oder Pensionen, wo man für eine Nacht mit seiner Freundin einchecken konnte. Aber das wollte ich weder ihr noch mir antun. Ich verdiente in den letzten Jahren der DDR recht gut und genau wie heute wollte man das natürlich auch seinen Freunden vermitteln. Wer etwas auf sich hielt, drückte das auch durch sein Konsumverhalten aus. Wenn man sich nicht jeden Tag ein Hilton leisten kann, dann doch bitte schön ein 4 Sterne Hotel. Und der „Bayrischer Hof“ hatte damals noch etwas "Niveau".
Als ich das Dia heute in meiner Sammlung fand, wusste ich gleich um welches Hotel es sich handelte und alte Erinnerungen kamen auf.
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