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Böhlens Geschichte bis 1945


Wie überall in Sachsen siedelten sich zuerst slawische Stämme im 7. Jahrhundert in der Region um Leipzig an. Im Jahre 1017 fand Großdeuben, ein Stadtteil von Böhlen, erstmals urkundliche Erwähnung in der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg, der am 04. November 1017 unter anderen Orten auch "Dubin" den Kanonikern schenkte.

Der heutige Ortsteil von Böhlen, Gaulis, wurde im Jahr 1303 erstmals urkundlich erwähnt und die erste schriftliche Erwähnung Böhlens als Herrensitz von Otto de Belen ist auf das Jahr 1353 datiert.

In 15. Jahrhundert wurde das Böhlener Herrenhaus erbaut. Böhlens Kirche wurde erstmals 1540 erwähnt. Aus dem Jahre 1548 sind dann verschiedene geschichtliche Daten bekannt. So wird in diesem Jahr Böhlen als Rittergut mit "25 besessenen Mann und 22 Hufe" geführt, welches zum Amt Pegau gehörte. Einen Schulbetrieb bescheinigen einige Quellen Böhlen bereits für das Jahr 1573. Im Jahr 1637 brannte das Schulgebäude ab. Da der damalige Lehrer danach Böhlen verließ und das Dorf kein Geld für einen Neubau hatte, konnte bis 1645 kein Schulunterricht in Böhlen abgehalten werden. Die neue Schule in der Schulstraße 20 - heute Kirchstraße - wurde bis 1879 genutzt. 1936 musste das Gebäude wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

Der Ortsname entwickelte sich in vielen Jahrhunderten von Belen über Beln (1487), Böhlen an der Hartha (1791) bis zu Böhlen bei Zwenkau (1875). Jahrhundertelang fristete Böhlen aber ein Dasein als kleines ländliches Dorf, beschaulich und fern der städtischen Hektik und Verschmutzung.

Im Jahre 1842 entstand bei Böhlen mitten auf freiem Feld ein Bahnhof der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn. 1879 wurde eine neue Schule mit fünf Klassenzimmern gebaut. Zehn Jahre später befand sich Böhlen auf Expansionskurs und das Schulgebäude wurde um weitere Zimmer vergrößert. Eine Molkerei nahm ihren Betrieb auf und Böhlen bekam sein erstes Postamt.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert setzte eine schnelle Entwicklung in Richtung Industriestandort ein. So wurde 1900 beispielsweise eine Rauchwarenzurichterei zur Verarbeitung von Rohfellen gebaut. Das damalige Fabrikgebäude steht heute noch und gehört zum beruflichen Schulungszentrum Böhlen.

Mit der Bahn kamen auch Touristen in die Region. Für die vornehmlich Leipziger Mittelschicht wurde 1901 der Fortunapark auf einem Gelände von über 60.000 Quadratmeter bebaut und als Ausflugsort mit vielen Terrassen, herrlichen Gasträumen und großem Autoplatz angepriesen.

Eine weiterte Eisenbahnstrecke wurde in Böhlen 1913 fertiggestellt: die Verbindung "Böhlen - Rötha - Espenhain". Ab den Zwanziger Jahren entwickelte sich Böhlens Wirtschaft immer schneller. Während Böhlen im Jahr 1910 noch 978 Einwohner zählte, wurden es bis zum Jahr 1939 4.169 Einwohner. Ein eigenes Kraftwerk und eine Brikettfabrik entstanden im Jahr 1925. 1926 wurde die heutige Mittelschule Böhlen in der Lessingstraße gebaut, eine neue Siedlung entstand "Am Zipfel" und der erste hauptamtliche Bürgermeister Böhlens, Herr Goldmann, ins Amt gerufen. 1928 zog das Rathaus in das 1902 für das Rittergut gebaute Pächterhaus ein.

Die Industriellen investierten Kapital für bessere eine Lebensqualität der Arbeiter und Angestellten. Die "Aktiengesellschaft Sächsische Werke" (ASW) baute im Jahre 1936 ein Freibad und die BRABAK (Braunkohle-Benzin AG) investierte in die Umgestaltung des Fortunaparks in ein Freizeitpark. Im Jahr 1939 folgte der Bau des ersten Kindergartens in Böhlen.

Die schnelle Entwicklung der Stadt in Richtung Industriestandort ist der Braunkohle zu verdanken. 1920 wurde in Böhlen Braunkohle gefunden. Der von der ASW AG ("Aktiengesellschaft Sächsische Werke") betriebene Tagebau in Böhlen war 1924 schließlich der weltweit größte Braunkohletagebau. Im Böhlener Hydrierwerk wurde nach dem Bergius-Pier-Verfahren 1936 erstmals aus der gewonnen Braunkohle synthetisches Benzin hergestellt um im geplanten Krieg unabhängig von importiertem Erdöl zu sein.

In den Jahren 1944 und 1945 wurden ie Werke der ASW und BRABAG wurden durch alliierte Luftangriffe stark zerstört. Das hinderte die Nationalsozialisten aber nicht daran, in Böhlen ein Außenlager des KZ Buchenwald zu errichten. 800 Gefangene mussten Zwangsarbeit in der BRABAG leisten. Hinzu kamen tausende Kriegsgefangene und sonstige Inhaftierte.


Autor: nokiland


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