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DDR Rentner als Schwarzarbeiter im Westen


Wenn heute von der DDR die Rede ist, wird oft der eiserne Vorhang genannt und die Einsperrung der B√ľrger im eigenen Land. So dicht war der eiserne Vorhang in der DDR aber auch nicht. Bereits ein Jahr vor der Wende 1989 wurde das Reisegesetzt abge√§ndert und vor allem Westberlin mit billigen Putzfilfen aus der DDR versorgt.

Erich Honecker setzte 1988 eine Novellierung der "Verordnung √ľber Reisen von B√ľrgern der Deutschen Demokratischen Republik nach dem Ausland" durch. Bekanntgegeben wurde diese am vom 30. November 1988 mit Inkraftsetzung zum 1. Januar 1989. Abge√§ndert wurden unter anderem Passagen zur "st√§ndigen Ausreise" aus der DDR. Diese Novellierung schuf erstmals einen Rechtsrahmen f√ľr Antragsteller, in welchem die bisherige Willk√ľr der entscheidenden Organe stark eingeschr√§nkt wurde. Eingang fanden feste Fristen f√ľr die Bearbeitung der Antr√§ge sowie das Recht abgelehnter Antragsteller auf eine Gerichtliche Nachpr√ľfung laut ¬ß 19. Die Genehmigungen sollten freiz√ľgiger von statten gehen, "wenn dadurch keine Beeintr√§chtigung gesellschaftlicher Interessen und die Rechte anderer B√ľrger hinsichtlich ihrer Lebensqualit√§t, vor allem bei der Versorgung, Betreuung und F√ľrsorge, eintritt bzw. keine Nachteile f√ľr die Volkswirtschaft oder die √∂ffentliche Ordnung zu erwarten sind.". Aber auch die Beschr√§nkung der Reisedauer auf 30 Tage im Jahr bei Personen im rentenf√§higem Alter oder Invaliden wurde aufgehoben.

Die Aufhebung der Reisedauer hatte unerwartete oder vielleicht doch geplante Folgen. Viele DDR Rentner und Pension√§re nutzen die neuen M√∂glichkeiten zu h√§ufigen Kurzbesuchen in West-Berlin um ihre Bez√ľge zu verbessern. Als Putzhilfen oder Aushilfskr√§fte zu beispielsweise 5 D-Mark Stundenlohn waren sie gern gesehene Besucher, vor allem in West-Berlin. F√ľr die Rentner selbst war es eine gute Devisenquelle. 5 DM waren in der DDR auf dem Schwarzmarkt 30 bis 40 DDR-Mark wert, je nachdem wer Westgeld in welchen Mengen brauchte. Die DDR F√ľhrung profitierte in vielerlei Hinsicht doppelt und dreifach von der gelockerten Reiseverordnung vom 30. November 1988. Weil die DDR-Beh√∂rden jede Westreise z√§hlen, bereichern die pensionierten Pendler die Statistik, ohne dass tats√§chlich mehr DDR-B√ľrger fahren d√ľrfen. Die Rentner als Schwarzarbeiter in Westberlin halfen weiterhin durch Eink√§ufe im Westen Versorgungsl√ľcken in der DDR zu verringern. Und letztendlich gelangten Devisen auf diesem Weg in die Haushaltskasse der DDR. Das Beste f√ľr die reiselustigen Rentner war aber der Umstand, dass ihr mit Schwarzarbeit in West-Berlin verdientes Geld kein Schwarzgeld in der DDR war. Es musste weder beim Finanzamt angegeben werden, noch gingen davon Betr√§ge in irgendeiner Form weg.

Die Novellierung der "Verordnung √ľber Reisen von B√ľrgern der Deutschen Demokratischen Republik nach dem Ausland" vom 30. November 1988 war auch in anderen Belangen der richtige Schritt der DDR-F√ľhrung zur Entspannung der gereizten Atmosph√§re unter den DDR B√ľrgern. Leider kamen sie zu sp√§t, oder die vom Volk eingeleitete Wende zu voreilig. Es w√§re interessant zu spekulieren, wie die DDR sich dank Reformen entwickelt h√§tte und ob eine √úbernahme der DDR durch die BRD wirklich n√∂tig war. Selbst 20 Jahre nach der Wende sind viele ehemalige BRD als auch DDR B√ľrger nicht der Meinung, dass die Wiedervereinigung der einzige Weg zur "Rettung" der DDR war.


Autor: nokiland


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