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Mythos DDR



Teil 2: Den Alltag in der DDR gelebt


W√§hrend manche Politiker und Publizisten sich abstrakte Gedanken √ľber Politik und Herrschaftsstrukturen machen, erinnern sich viele Mensch vorwiegend am in der DDR erlebten Alltag.


Erich Honecker besucht Arbeiter auf der Arbeit
©RSM 
"Man schaut fast ausschließlich auf den Alltag, der Herrschaftscharakter wird in den Hintergrund gestellt.", heisst es im Forschungsbericht des Forschungsverbunds SED-Staat an der Freien Universität Berlin. Aber mal ehrlich: was soll der Mensch sonst in den Mittelpunkt stellen?

Der einfache Arbeiter oder Angestellte m√∂chte seine Arbeit haben, Geld verdienen und die Familie bestm√∂glich √ľber die Runden bringen. Wer aktuell die "Herrschaft" inne hat, interessiert ihn weniger. Das Wissen dar√ľber, welche Lobby auf welches Gesetz wieviel Einfluss nimmt, macht den K√ľhlschrank auch nicht voller. So pragmatisch dachten damals fast alle DDR B√ľrger. Auch heute ist mir der Alltag mit meiner Familie und meinen Freunden wichtiger als die Frage der Herrschaft. Ich m√∂chte mein Leben nicht politisieren, sondern leben.

So war es schon vor √ľber 20 Jahren in der DDR. Die Partei zelebrierte ihre Parolen, stellte sich als Weltretter hin und es wirkte schon oft wie ein Kasperle-Theater, aber das normale Volk sang keine Kampflieder in der K√ľche und h√§ngte sich kein Bild von Honecker √ľber das Sofa.

Wer heute das Thema "DDR" ausschlie√ülich politisiert ohne das Leben der ehemaligen DDR B√ľrger zu w√ľrdigen, tut einem ganzen Volk unrecht. Das Volk der ehemaligen DDR bestand aus flei√üigen, intelligenten und pfiffigen Menschen. "Arbeitsfaule" waren eher die Ausnahme. Die Menschen wu√üten sich selbst zu helfen, wo die heutige Hausfrau verzweifelt, wenn zum Beispiel einmal der Wasserhahn tropft. Es war normal, sich beim Nachbar essen zu borgen, alten und fremden Menschen im Alltag zu helfen oder einen gro√üen Freundeskreis zu pflegen.

Es ist unrecht, ein falsches Bild von der ehemaligen DDR zu malen, in welchem die Menschen am Abgrund lebten, st√§ndig bespitzelt wurden und schon 6 Uhr morgens mit einem Fu√ü im Knast standen. Das Leben in der DDR war nicht immer einfach und luxuri√∂s. Viele machten es sich in Wohnh√§usern gem√ľtlich, die heute als Abrisshaus durchgehen w√ľrden. Unz√§hlige B√ľrger waren kein einziges Mal in einem anderen Land auf Urlaub. Bestimmte Lebensmittel oder Gem√ľse standen nicht das ganze Jahr auf dem Speiseplan. Und Respekt vor der Stasi hatte wohl jeder. Das allein bestimmt aber nicht die Lebensqualit√§t. Auch heute wohnen Menschen in Wohngegenden, die ich meinem √§rgsten Feind nicht w√ľnschen w√ľrde. Wieviele Menschen der j√ľngeren Generation haben kein einziges Mal Deutschland verlassen - nicht weil es verboten ist, sondern weil sie es sich einfach nicht leisten k√∂nnen? Macht es einen Unterschied, warum ich manchen Traum nicht leben kann? Nein, im t√§glichen Leben z√§hlt vielmehr was und wie ich lebe! Das ist es, was meine Lebensqualit√§t bestimmt und mir als solche in Erinnerung bleibt.


Autor: nokiland


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Teil 1: Mythos DDR
Teil 2: Den Alltag in der DDR gelebt
Teil 3: Ein Leben im Visier der Geheimdienste