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Religion in der DDR



Teil 2: Die 10 Gebote der SED


In der DDR war der Gang zur Kirche nicht die Normalität. Offiziell war Religion gemäß marxistisch-leninistischer Theorie vom baldigen Absterben im Sozialismus bedroht.

Ich wei√ü nicht, zu wieviel Prozent eine Schulklasse aus FDJ-lern bestand, aber ich sch√§tze im Schnitt √ľberwogen die FDJ-ler mit 90%. Wobei - man staune - nicht wenige FDJ-ler in der Kirche waren. Ich ja auch. FDJ Veranstaltungen konnte man j√§hrlich an einer Hand abz√§hlen, ich erinnere mich an keine einzige mehr. Kirche war aber jede Woche Mittwochs - die "Junge Gemeinde". Das verwunderte mich heute bei genauerem Nachdenken. Man denkt ja, DDR Staat und Gottesgl√§ubigkeit m√∂gen nicht vereinbar sein. Aber die Propaganda der DDR folgte seltsamerweise nach n√§herer √úberlegung recht genau einer christlichen Gesinnung und den 10 Geboten. Ehre Deine Eltern, begehre nicht Deines n√§chsten Weibes, t√∂te nicht, stehle nicht, l√ľge nicht, habe keine G√∂tzenbilder. Gut, das trifft ja fast √ľberall zu. Interessant ist aber auch der Spruch des Paulus: "Lass dich nicht vom B√∂sen √ľberwinden, sondern √ľberwinde das B√∂se mit Gutem!" Unbewu√üt versuchte Erich Honecker dies - im Gegensatz zu seinem Vorg√§nger Walter Ulbricht - umzusetzen.

Honeckers Amtsantritt wurde durch einen Beschluss der SED begleitet, der die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" zur neuen Hauptaufgabe bestimmte. Mit einer Erh√∂hung des Lebensstandards sollte die Zufriedenheit in der Bev√∂lkerung gesteigert werden, die Arbeitsproduktivit√§t erh√∂ht und unzufriedene B√ľrger umgestimmt werden. Der zitierte Satz des Paulus kann wie folgt umgem√ľnzt werden:

"Lass dich nicht von der Kritik √ľberwinden, sondern √ľberwinde die Kritik mit erh√∂hter Zufriedenheit!"
Das, was die DDR propagierte, entsprach oft der Bibel. So zum Beispiel das erste Gebot der Bibel: "Du sollt keine anderen G√∂tter haben neben mir". Das h√∂rt sich ja sehr nach Diktatur an und k√∂nnte aus dem Parteibuch der SED stammen. In der Tat verk√ľndete Walter Ulbricht 1958 in Anlehnung an die biblischen Zehn Gebote die "10 Gebote der sozialistischen Moral und Ethik". Das neunte Gebot "Du sollst sauber und anst√§ndig leben und Deine Familie achten." k√∂nnte auch der Bibel entsprungen sein.

Man kann sagen, in der DDR wuchsen die Kinder mit einer christlicheren Gesinnung auf, als in der Ellenbogengesellschaft der BRD, da selbst die DDR F√ľhrung aktiv Werte vermittelte, die den Werten des Christentums entsprachen. Was die Bibel propagierte, war teilweise das Ziel der DDR Ideologie. Was mich bei diesem Gedanken aber verwirrt: warum bezeichnet man das Himmelreich nicht als Diktatur? Eine Demokratie gibt es im Himmelreich nicht und gemacht wird, was der Chef sagt. In der Kirche sollte man darauf hingewiesen werden, dass man nach dem Tode die Demokratie vergessen kann. Vielleicht w√ľrde die Selbstmordrate dadurch zur√ľck gehen. Wer will schon in einer Diktatur landen, wenn er in der Demokratie gl√ľcklich war...?

Christen und Kommunisten haben das selbe Ziel: Eine neue Welt, in der es gerecht zu geht. In der jeder die Chance auf Frieden und Gl√ľckseeligkeit hat. Eine Welt, in der man andere respektiert und sich nicht √ľber seinen Nachbarn stellt. Wo jeder Mensch den selben Wert hat, egal wieviel Geld er hat. Wo der Forscher genau so viel Wert in der Gesellschaft hat, wie der einfache Arbeiter. Und wo der Verzicht auf demokratische F√ľhrung dem notwendigen Kalk√ľl zur Einhaltung der Ordnung im Himmelreich, DDR Staat, entspricht. Komisches Gef√ľhl, wenn ich dar√ľber nachdenke. Das Ziel der Christen scheint sich mit dem Ziel der Kommunisten zu decken.


Autor: nokiland


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Schlagwörter: Religion SED Walter Ulbricht Erich Honecker 10 Gebote


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