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Eigenversorgung in der ehemaligen DDR


Was es in der DDR nicht gab, wurde selbst hergestellt oder organisiert. Der Anbau von Gem├╝se, Obst oder Kr├Ąuter im Garten auf dem Dorf, in der Kleingartenanlage oder dem Balkon war ein selbstverst├Ąndliches Treiben und diente der Eigenversorgung.


Lautenthal: Wer konnte, baute eigenes Gem├╝se an
©RSM 
Im Internet liest man ├╝berall, dass es in der DDR kaum frisches Gem├╝se gab es und im Winter generell eine Mangelware gewesen w├Ąre. Ich lebte 22 Jahre in der DDR. Mit der Zeit verschwimmen zwar viele Erinnerungen, aber manches wei├č ich noch ziemlich genau, weil es meinen Alltag gepr├Ągt hat. Die ber├╝hmte Banane beispielsweise gab es alle paar Wochen f├╝r das breite Volk und im Sommer schmeckten die Orangen nicht so gut wie in der Weihnachtszeit. Melonen gab es im Sommer viel und preiswert, im Winter weniger. An Skorbut litt jedoch kein DDR B├╝rger in den harten Wintermonaten.

Auch wenn ich mich nicht wirklich zu hundert Prozent erinnern kann, was im Winter im Gem├╝seladen stand - Blumenkohl, Rosenkohl, Tomaten und Gurken gab es aber auch in den k├Ąlteren Jahreszeiten zum Mittagessen. Die DDR war ein entwickeltes Agrarland. Jede Ressource wurde genutzt.

Der "Spiegel" aus der damaligen BRD schrieb schon im Jahr 1967 (DER SPIEGEL 52/1967: "Zu dick"): Denn nicht nur nach DDR-eigenen Erfolgsmeldungen hat sich der ostdeutsche Lebensstandard von Jahr zu Jahr gebessert. Auch nach den Erkenntnissen westlicher Experten steht heute fest: Die einst erheblichen Versorgungsschwierigkeiten der DDR sind weitgehend ├╝berwunden.

Im gleichen Artikel hie├č es: Das "Deutsche Institut f├╝r Wirtschaftsforschung" in West-Berlin fand heraus, dass auch in Mitteldeutschland eine Tendenz zum h├Âherwertigen Industrieartikel zu erkennen" sei.

Trotzdem gab es nat├╝rlich einige L├╝cken in der Versorgung; immer wieder tauchten Waren nur schubweise auf dem Markt auf und waren in der Zwischenzeit nur mit Beziehungen zu haben. An S├╝dfr├╝chten zum Beispiel herrschte notorischer Mangel: Der DDR-B├╝rger konnte 1966 nur 10,8 Kilo davon kaufen w├Ąhrend der Bundesb├╝rger 25 Kilo erwarb.


Zwiebelanbau im eigenen Garten
Zwiebelanbau im eigenen Garten 
Foto:Maecker / RSM 

Aber eines wei├č ich aber noch ganz genau: Die meisten Leute hatten im Keller Regale voller Eingekochtem. Erdbeeren, Pfirsiche, Pilze, Pflaumen, Kirschen und Gem├╝se. In einer Ecke des Kellers stapelten sich Kartoffeln. Auf Bretterregalen reiften ├äpfel und lagerten Birnen. Und in der Speisekammer hingen B├╝schel von Beifu├č, Dill, Pfefferminze und Sellerie. Ja, wer wei├č heute noch was man mit Beifu├č anstellte? Er kam in die Gr├Ąupchensuppe und der Sellerie in die Kartoffelsuppe, Dill zu den Gurken, die im Garten wuchsen und in einem Einmachglas landeten.

Das sch├Âne aber war, vieles wie beispielsweise Beifu├č musste man nicht kaufen. Es wuchs am Feldrand. ├äpfel gab es im ├ťberfluss ÔÇô und das kostenlos. Viele Landstra├čen waren mit Obstb├Ąumen ges├Ąumt. Es gab Landstra├čen, da wuchsen nur Apfelb├Ąume, an der anderen nur Kirschb├Ąume. Ebenso Pflaumen und Birnen. Pilze kamen aus dem Wald. Als Kinder waren wir richtige Experten in Sachen Pilze. Und was nicht gegessen wurde, wurde eingelegt. Rote und schwarze Brombeeren gab es im Wald zur Gen├╝ge. Hagebutten und Holunder musste auch niemand unbedingt im Gem├╝seladen kaufen. Selbst ein paar Zentner Kartoffeln kamen ├╝bers "Kartoffel stoppeln" rein. Denn nach der ├╝blichen Kartoffelernte blieb noch genug im Boden drin, das man per Hand abernten konnte.

An all das erinnere ich mich noch gut, denn ich wuchs bei meiner Oma inmitten des selbst Besorgten auf. Eierlik├Âr wurde selbst gemacht und ganz besonders stolz war Oma auf ihre "Medizin": Lik├Âr aus schwarzen Johannisbeeren. Der schmeckte lecker, wenn ich als Kind mal daran nippen durfte.


Autor: nokiland


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Schlagwörter: Eigenversorgung Versorgungsengp├Ąsse


Teil 1: Eigenversorgung in der ehemaligen DDR
Teil 2: Eigenanbau von Gem├╝se, Obst und Kr├Ąuter im Garten
Teil 3: Versorgung ├╝ber die Obstb├Ąume der Landstra├čen
Teil 4: Hasen, H├╝hner und G├Ąnse aus eigener Zucht
Teil 5: Eigenversorgung ├╝ber den Wald
Teil 6: Holzversorgung erlaubte unglaublich geringe Heizkosten
Teil 7: Unterschiede bei der Selbstversorgung auf dem Land und in der Stadt
Teil 8: Warum war die Eigenversorgung in der DDR so ausgepr├Ągt?