Themen | Alltag

Eigenversorgung in der ehemaligen DDR



Teil 6: Holzversorgung erlaubte unglaublich geringe Heizkosten


Das Ende des Gartens meiner Oma bildete ein kleiner Schuppen mit einer Bank davor, wo ich schon als Baby sa├č. Rechts daneben war der Holzbock mit der Axt drauf. Es war f├╝r mich immer ein Erlebnis, mich daran zu versuchen. Holzhacken war f├╝r mich eine Arbeit f├╝r Erwachsene - und ich hackte gern Holz.


Mit vollem K├Ârpereinsatz Heizkosten senken war in der DDR Alltag auf dem Lande
Wir holten das Holz aus dem Wald und hackten es klein. Mit dem Handwagen ging es regelm├Ą├čig in den 400 Meter entfernten Wald. Nat├╝rlich nur das Bruchholz, was so auf dem Waldboden herum lag. Mit dem F├Ârster gab es nie Probleme. Das alte Holz aus dem Wald zu holen war nicht verboten. H├Ątte das jeder so gemacht auf dem Dorf oder in der Kleinstadt, h├Ątte sich der Staat bestimmt etwas einfallen lassen m├╝ssen. Aber offenbar bestand kein Handlungsbedarf.

Die Leute s├Ągten, hackten und stapelten ihr Holz. Wenn der Schuppen voll war, wurden Stapel in irgendeiner freien Ecke aufgebaut und winterfest abgedeckt. Ziel war es im Herbst immer, sich einen Holzvorrat f├╝r den Winter anzulegen. In der Stadt ging das nat├╝rlich nicht so einfach, wenn man keine Verwandten auf dem Dorf hatte, oder Beziehungen. In l├Ąndlicher Gegend gab es viele Menschen, die ausschlie├člich mit Holz feuerten und das m├Âglichst kostenlos. Auch heute noch heizt mein Schwiegervater f├╝r 20 Euro ein ganzes Haus mit Kamin in den kalten Zeiten. Die alten Beziehungen sind heute noch n├╝tzlich, wenn man eine LKW Ladung Holz will. Ein S├Ągewerk darf die Holzreste nicht verkaufen sondern muss sie entsorgen. Da gibt's einen Zehner in die Kaffekasse und der zu entsorgende Holzabfall landet da und dort.

In der Stadt half man sich anders aus, wenn man musste, denn in der Stadt war das regelm├Ą├čige Holzsammeln nat├╝rlich nur bedingt m├Âglich. Wer aber pfiffig war und sich daf├╝r nicht zu fein f├╝hlte, holte vom Sperrm├╝ll mit dem Handwagen alte M├Âbel und zers├Ągte sie. Das Holz wurde im Keller gestapelt und war f├╝r den Ofen stets eine willkommene Beilage in kalten Tagen. So machte es mein Vater.


Heizkosten sparen mit Brennholz war zu DDR Zeiten ein ├╝bliches Vorgehen
Heizkosten sparen mit Brennholz war zu DDR Zeiten ein ├╝bliches Vorgehen 

In l├Ąndlichen Gegenden ist die Eigenversorgung mit Holz auch heute noch ├╝blich. Auch die Nachbarn horten im Herbst Holz und bauen ihre Brennholzt├╝rme akribisch auf. Es ist eine Kunst, meterhohe T├╝rme aus Holz zu stapeln, die nicht beim ersten Sturm umfallen.

Was damals eine wichtige Ersparnis und Versorgungsbehelf war, ist heutzutage nat├╝rlich nicht mehr ganz so dramatisch. Damals war die Versorgung mit Kohle in der DDR anders geregelt als man das heute kennt. In der DDR wurde die Kohle mengenm├Ą├čig zugeteilt und im Winter galt ein anderer Kohlepreis. Wer im Winter Kohle nachkaufen musste, weil der Winter h├Ąrter als erwartet ausfiel, zahlte erheblich mehr als im Sommer 3,51 Mark je Zentner. Die Sommerkohle konnte jeder mit seiner "Kohlekarte" bis zum 30. April bestellen, geliefert wurde sie zum Ende des Sommers. Die zugeteilte Menge richtete sich nach der Gr├Â├če des Haushalts und ob Kleinkinder vorhanden waren. Wollte man mehr als das ├╝bliche Kontingent kaufen, musste man einen Aufschlag zahlen, im Sommer wie auch im Winter. So gesehen war gut dran, wer sich mit Feuerholz zudeckte. Denn die Winter waren damals unberechenbar und konnten sich leicht auf den Geldbeutel auswirken, wenn man zu wenig preiswerte Kohle im Sommer erhielt.


Autor: nokiland


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Schlagwörter: Eigenversorgung Versorgungsengp├Ąsse


Teil 1: Eigenversorgung in der ehemaligen DDR
Teil 2: Eigenanbau von Gem├╝se, Obst und Kr├Ąuter im Garten
Teil 3: Versorgung ├╝ber die Obstb├Ąume der Landstra├čen
Teil 4: Hasen, H├╝hner und G├Ąnse aus eigener Zucht
Teil 5: Eigenversorgung ├╝ber den Wald
Teil 6: Holzversorgung erlaubte unglaublich geringe Heizkosten
Teil 7: Unterschiede bei der Selbstversorgung auf dem Land und in der Stadt
Teil 8: Warum war die Eigenversorgung in der DDR so ausgepr├Ągt?




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