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Lebte man in der DDR sicherer?


Die Kriminalität in der DDR war gering. Erklärungsveruche gibt es viele und man wundert sich, woher einige Personen ihr Wissen haben.

Da fällt mir nur die Bild-Zeitung ein, die ja angeblich auch "bildet". So las ich vor kurzen: "... In der Schule wurden regelmäßig die Schultaschen untersucht. Messer, Pornographie usw. wurden eingezogen. Selbst eine eingeschmuggelte "BRAVO" oder Bilder von West-Popstars wurden konfisziert....".

In meinem 10 Jahren von 1974 bis 1984 wurde kein einziger (meiner) Schulranzen untersucht. Viele Jugendliche hatten Taschenmesser, die geh√∂rten zum Alltag dazu wie heute das "Schweizer" Messer. Damit wurde der Apfel gesch√§lt, beim Wandern ein Stock geschnitzt oder am Fahrrad etwas repariert. Man nahm es nicht unbedingt zur Schule mit, doch wenn, war das kein Ereigniss. Es blieb in der Hosentasche. Es war ein "Werkzeug", keine "Waffe". Bilder von West-Popstars wurden auch nicht eingezogen. Warum auch? Das DDR Platten-Lapel Amiga verkaufte selbst in der DDR Schallplatten und Kassetten von sogenannten "West-Popstars" und im Intershop oder dem GENEX-Katalog waren Merchandising-Artikel nichts unbekanntes. Und gar Sch√ľler mit Pornoheften? Die sollte man auch heute einziehen. Damals jedoch war kein Thema, weil so ein Pornoheft schonmal mit 150 Mark zu Buche schlug - f√ľr einen Sch√ľler nicht finanzierbar.

Es gab Mord, Totschlag, Vergewaltigung und Raub, wie in jeder Gesellschaft, nur prozentual geringer. K√∂rperverletzungen gab es sicher mehr, wurden aber kaum zur Anzeige gebracht. Warum? Heute ist es K√∂rperverletzung, wenn der Sohn seine Mutter mit Schlampe und noch schlimmeres bezeichnet und daf√ľr ein paar getachtelt bekommt. Wenn ein Sch√ľler den Lehrer mit "Ar..." beschimpft und eine Ohrfeige kassiert, ist das K√∂rperverletzung. Damals sagte der Vater noch: "gut gemacht. Wenn mein Sohn nochmal so ausf√§llig wird, sagen sie es mir und er bekommt zu Hause auch noch sein Fett weg!".

Jugendliche rauften sich auch, aber in einer anderen Qualit√§t als heute. Damals wollte man niemand den Kopf einschlagen, tot treten oder erw√ľrgen. Es wurde gerempelt, mit der Faust zugeschlagen und gut ist es. Der andere gab nach und das Thema war gegessen. Oder der Angreifer mu√üte pl√∂tzlich selbst wegstecken, sah es ein und die Sache war geregelt.

Dass es Ausschreitungen wie heute gab, ist auch richtig. Was heute aber Alltag ist, war damals die Ausnahme. Aggressionspotential war in der Breite kaum vorhanden. Man pr√ľgelte nicht durch die Gegend aufgrund von Aggressionen, bestenfalls weil man sich als "Hirsch" bewei√üen wollte.

Wenn ein Sch√ľler von einem anderen verpr√ľgelt wurde und der Sch√ľler damit nicht klar kam, ging er zum Lehrer und die Sache wurde geregelt. Lehrer genossen Respekt wie Polizisten. Keiner widersprach ihnen. Wer sich mit einem Lehrer anlegte, hatte schlechte Karten. Der Lehrer brauchte keine Gewalt, er bediente sich des Umstands, dass kein Kind oder Jugendlicher sich gern ausgegrenzt, √∂ffentlich angeprangert wird oder allein dasteht. Der Betreffende wurde vor der ganzen Klasse an die Tafel zitiert und mu√üte sich rechtfertigen. Das ist peinlich.

Sicher gab es "schwer erziehbare Kinder" die heutige Merkmale verhaltensgest√∂rter und aggressiver Jugendlicher aufwiesen, aber um die k√ľmmerte sich schon das Jugedamt vorbildlich - ab in ein Kinderheim f√ľr schwererziehbare. Ob sie dort zu besseren Leuten erzogen wurden oder nicht, ist sekund√§r. Wichtiger war: Eine aufkeimende Kriminalit√§t im sozialem Umfeld wurde kein Platz frei gemacht, kein Tisch reserviert.

Kinder hatten damals in Schulen weniger Angst als heute. Erwachsene konnten nachts durch die Straßen ziehen ohne Angst zu haben. Zumal Volkspolzistn zu Fuß ihre Runden drehten und jeden auffälligen um die Papiere baten.

Warum lebte man in Sachen "Sicherheit" sicherer? Weil die Menschen eine andere Erziehung genossen und garnicht erst auf die Idee kamen, anderen Schaden zuzuf√ľgen. Weil es nicht richtig und erst recht nicht notwendig war.

Sicherheit in Sachen der eigenen "Wirtschaft" - nun, es gab keine Erwerbslosigkeit, abgesehen von wenigen F√§llen, welche entweder politisch bedingt waren oder der B√ľrger freiwillig die Arbeit verweigerte und die Konsequenzen zog. Jedes Familienmitglied arbeitete, oft noch schwarz nebenbei, was vom Staat teilweise durch Verordnungen gef√∂rdert wurde.

Jeder hatte genug zu Essen und ein Dach √ľber dem Kopf, auch wenn das Dach bisweilen tropfte. Die √§rztliche Versorgung war fl√§chendeckend und kostenlos. Somit gab es wenig grund, aus rein wirtschaftlichen Gr√ľnden kriminell zu werden.

Somit bleibt f√ľr mich der Eindruck: "Sicherer" als heute lebte man in der DDR auf jeden Fall.


Autor: nokiland


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Schlagwörter: Kriminalit√§t Gewalt Sicherheit