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Polizeidienst - ein Beruf mit demokratischen Traditionen


Berufsstolz und Traditionsbild geh├Âren eng zusammen. Auch und gerade f├╝r die Polizei gr├╝ndet sich der Stolz auf den Beruf auf die Traditionen, auf die Geschichte.

F├╝nfundvierzig Jahre war diese Tradition zugeschnitten auf die praktizierte Auffassung von der Volkspolizei als zuverl├Ąssiges - sprich: willf├Ąhriges - Instrument zum Schutz der "Arbeiter-und-Bauern- Macht". Da├č dabei die Volkspolizei zunehmend durch eine, die Macht an sich gerissene F├╝hrungsclique zu ihrer eigenen Machterhaltung mi├čbraucht worden ist, wurde auch mit dem aufgebauten Traditionsbild verschleiert.

Dabei gab es unter den Angeh├Ârigen der Deutschen Volkspolizei und der anderen Organe des MdI schon immer eine Vielzahl von engagierten, ├╝berzeugten Polizisten, die tagt├Ąglich aufopferungsvoll, unter pers├Ânlichen Entbehrungen ihren Dienst versahen mit dem Ziel, da├č jeder B├╝rger sich vor Kriminalit├Ąt sicher f├╝hlen, ein Leben frei von Furcht und frei von Angst f├╝hren kann. Sie taten dies nicht wegen eines Politb├╝ros oder im Interesse einer imagin├Ąren, nicht fa├čbaren Macht, sondern im Interesse der B├╝rger.

Diese Traditionslinie aufzuarbeiten und zu erschlie├čen, ist die Aufgabe einer vom Innenminister eingesetzten Kommission von Historikern.

Wichtiger Ansatz f├╝r das demokratische Traditionsbild der Polizei ist die geistige Neuorientierung an Grundwerten, wie W├╝rde, Freiheit des Menschen, Gemeinwohl und Rechtsstaatlichkeit. Es gilt also dabei nach demokratischen und humanistischen Traditionen in der Geschichte der deutschen Polizei, einschlie├člich der BRD und der DDR, zu fragen. Diese sind in ihrer -Gesamtheit als geistige Werte zu erschlie├čen und ein berufsst├Ąndisches Traditionsbild der Volkspolizei zu erarbeiten, das nicht an Ideologien, Parteien und Klassen orientiert, sondern menschliche Ideale und Wertvorstellungen sowie den Dienst am B├╝rger und am Gemeinwohl zum Inhalt hat.

In der Gesinnung der Volkspolizisten sollen kraft eines solchen demokratischen Traditionsbildes geistige Werte und demokratische Haltungen verankert werden, die bei jedem ein inneres Widerstandspotential gegen Machtmi├čbrauch und Gesetzes├╝berschreitung schaffen. Rechtsstaatlichkeit als Gesinnung geh├Ârt zur Professionalit├Ąt des Volkspolizisten ebenso wie charakterliche Reife und Gelassenheit beim Einschreiten.

Der Innenminister ist ├╝berzeugt und wei├č sich mit vielen Volkspolizisten in ├ťbereinstimmung, da├č Wahrung des Rechts, Erhaltung und Festigung der Gesetzlichkeit zum Wohle der B├╝rger, Schutz der W├╝rde und Freiheit des Menschen sowie Festigung von Ordnung und Sicherheit im demokratischen Gemeinwesen eine Grundhaltung beinhalten, die man unabh├Ąngig von parteipolitischer Bindung im Sinne der Festigung und Erhaltung eines demokratischen Gemeinwesens auf der Grundlage humanistischer Werte als konservativ bezeichnen kann.

Die demokratische Traditionslinie der Polizei als dem Schutz der B├╝rger und des Gemeinwesens dienender Berufsstand beginnt bei den freien St├Ądteb├╝rgern im Mittelalter. Sie setzt sich ├╝ber Recht und Staatsordnung gestaltende und festigende Pers├Ânlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts fort, nimmt die demokratischen Polizeitraditionen der Weimarer Republik sowie antifaschistisch-demokratische Handlungen einzelner Polizisten zwischen 1933 und 1945 in sich auf und st├╝tzt sich auf das demokratische Potential von 1945, ohne Widerspr├╝che und Komplikationen, z. B. Machtmi├čbrauch, zu verschweigen.


Informationsbulletin des Minister des Innern Nr. 2/90 vom 17.07.1990
Ministerium des Inneren Referat Presse/Information/├ľffentlichkeit DMdI 0267/90, Redaktionsschluss 29. Juni 1990


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