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Sammelleidenschaft zu DDR-Zeiten


In der DDR wurde gesammelt was das Zeug hielt, obwohl vieles nicht leicht zu bekommen war und moderne Medien der Kommunikation und Kontaktaufnahme nicht erfunden waren.


Produkte aus der DDR zum sammlen
Mit 8.831 Autogrammen hat beispelsweise Volker Kluge, Leiter der Abteilung Sport in der Zeitung JUNGE WELT, die umfangreichste Sammlung von Olympiasiegern. Rainer Hille aus Leipzig hatte mit √ľber 15.000 Sportlerautogrammen und 12.500 Sportabzeichen die gr√∂√üte Sammlung in der DDR.

Auch Bierdosen wurden gesammelt, obwohl es in der DDR kein Dosenbier gab. Walter Panterodt aus Schwerin schaffte es auf 4.000 verschiedene Bierdosen aus 55 L√§ndern. Offenbar hatte er gute Kontakte zu Seefahrern, die einzige M√∂glichkeit an Bierdosen aus √ľber 55 verschiedenen L√§ndern heran zu kommen.

Wenn wir beim Thema "Bier" bleiben, ist auch Julius Puschner zu erw√§hnen, ehemaliger Betriebsteilleiter im VEB Wernesgr√ľner Grenzquellbrauerei. Er verf√ľgte mit rund 6.500 Biergl√§sern √ľber die gr√∂√üte Sammlung in der DDR.

Das Thema "Eisenbahn" zog schon immer Sammler und Fans an. Dipl.-Ing. Wolfgang List trug in seinem Stendaler Wohnhaus und im Garten eine einzigartige Sammlung von Zeugnissen der Eisenbahngeschichte zusammen. Sie reicht von historischen Signalen √ľber Warnkreuze bis zu Bahnhofsuhren. Besonders stolz ist er auf das Einrad-L√§utewerk, das um 1871 von der Berliner Firma Siemens und Halske gebaut wurde.

Wobei die Feuerwehrleute dem nicht nachstehen. Mehr als 20 Oldtimer der Feuerwehr besitzt die seit 1984 bestehende Arbeitsgemeinschaft ‚ÄěFeuerwehrhistorik" in Riesa. Ihr geh√∂ren etwa 50 Mitglieder an, die den Bestand an historischen, L√∂schfahrzeugen und -ger√§ten betreuen.

Ob Feuerwehrleute auch Feuerzeuge sammeln, wei√ü ich nicht. Aber auch das war ein gro√ües Thema bei den Sammlern. Der Jenaer Sammler Hasse Heydenreich hatte √ľber 400 Feuerzeuge zusammengetragen, die alle funktionsf√§hig sind. Die Sammlung reicht vom Holzreibfeuerzeug bis zum modernen Gasfeuerzeug und zu elektrischen und elektronischen Ger√§ten. 400 St√ľck scheint wenig zu sein, doch in der DDR gab es auch nur wenige verschiedene Modelle.

Dass Sammler M√ľlldeponien nicht abgeneigt sind, zeigt folgender Rekord in der ehemaligen DDR: Siegfried Michael, Handelskaufmann aus Grimma, besa√ü eine Sammlung von 41 gusseisernen √Ėfen. Die meisten davon entdeckte er auf M√ľlldeponien. Das √§lteste Exemplar stammt aus dem Jahr 1750. Und Der Schlosser Manfred Slopp aus Leipzig trug seit 1969 64 funktionst√ľchtige Gaslaternen zusammen. Unbeachtet weg geworfen und doch versteckte Sch√§tze.

Dass es in der DDR offenbar genug ‚ÄěBeziehungen‚Äú gab, bewies auch Herr Willi Gi√üke aus Rudolstadt. Gi√üke sammelt seit seiner Jugend H√∂lzer aus aller Welt. 321 verschiedene Arten hat der Rentner bis 1989 zusammengetragen und die Quer- und L√§ngsschnitte in Al¬≠ben geordnet.

In Eggesin, nahe Ueckerm√ľnde, besitzt der Fotodrogist Ernst Amende eine Sammlung von 609 Kameras. Unter den funktionst√ľchtigen Kameras sind auch Rarit√§ten wie zum Beispiel eine Kr√ľckstockkamera zu finden. Ein anderer begeisterter Sammler war Prof. Dr. Otto Prokop, Berlin. Er stiftete 1981 dem Kulturbund der DDR eine Sammlung von etwa 300 Kameras, um damit den Grundstock f√ľr ein fotografisch-optisches Museum in Berlin zu legen.

Wo oft davon die Rede ist, in der DDR g√§be es nicht einmal genug Klopapier und keine Bananen, fragt man sich, wie das denn geht. Sammeln ist offenbar eine Leidenschaft √ľber alle Grenzen hinweg.


Autor: nokiland


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