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Eigenversorgung in der ehemaligen DDR



Teil 7: Unterschiede bei der Selbstversorgung auf dem Land und in der Stadt


Ich lebte in Leipzig, verbrachte aber soviel Zeit wie m├Âglich bei meiner Oma in Naunhof, einer Kleinstadt bei Leipzig. So lernte ich neben dem Stadtleben auch das l├Ąndliche Leben kennen.

Obwohl es Unterschiede gab, war eines immer gleich: man versuchte sich so gut wie m├Âglich selbst einzudecken. Es war kein Merkmal der Armen, auch wenn viele Bessergestellte ihre Waren ├╝ber andere Quellen bezogen und kauften. Es war selbstverst├Ąndlich dass jeder so weit wie m├Âglich sich selbst versorgte. Es mu├čte keiner f├╝r viel Geld in den Wintermonaten eingemachte Erdbeeren im Laden kaufen. Man kaufte im Sommer f├╝r wenig Geld Erdbeeren, weckte sie ein und hatte das ganze Jahr ├╝ber Erdbeeren. Erdbeeren gab es Kiloweise sogar kostenlos. In der gesamten DDR wurden gro├čfl├Ąchig Erdbeeren angebaut. Zur Erntezeit mu├čten Erntehelfer ran. Jeder, egal ob Kind, Sch├╝ler, Eltern oder Rentner durften sich Geld dazu verdienen. Ohne Abgaben an den Fiskus. Man konnte aber auch 10 K├Ârbe ohne Bezahlung pfl├╝cken und einen Korb kostenlos mitnehmen. Wenn jemand lieber die frischen Erdbeeren kaufen wollte, auch kein Problem. Sie waren billig in der DDR. Wer da nicht zugriff und sich mit 20 Kilo Erdbeeren versorgte, war selber Schuld. Ich verstehe heute das Gejammere nicht, dass man viel Geld f├╝r Konserven-Erdbeeren im Delikatladen hinlegen mu├čte. Selbst in der Stadt waren viele Keller voll mit eingemachten Erdbeeren best├╝ckt.

Da gab es aber einen kleinen Unterschied bei der Stadt- und Landbev├Âlkerung: In Sachen Holz hatte es der Stadtbewohner sicher nicht so einfach, wie der auf dem Land lebende Arbeiter. Mit ein paar Beziehungen oder Kreativit├Ąt schafften es aber auch in der Stadt viele, ihre Keller mit Holz zu f├╝llen.

Obstversorgung in der Stadt ohne Kauf im Gemüseladen? Man konnte mit dem Rad auf das Land fahren und ein paar Kisten Obst einsacken. Aber das machte wohl nicht jeder. Musste er auch nicht, den auch im Winter gab es Äpfel und Birnen preiswert im Gemüseladen. Da lohne sich der Weg nicht.

Gem├╝se legten sich aber auch viele in der Stadt auf Vorrat an. Im Sommer kaufen und einwecken, im Winter verspeisen. Ich erinnere mich nicht mehr genau, was ein Kilo Einlegegurken im Sommer kosteten und zu welchem Preis man ein gro├čes Glas saure Gurken im Laden kaufen konnte; aber ich erinnere mich, dass Gurken zur Erntezeit als Pfennigware gehandelt wurde. Da gab es teilweise die "Kasse des Vertrauens". Gem├╝se mitnehmen und den Kaufbetrag einfach in die Kasse werfen.

In der Erntezeit gab es teilweise eine so hohe ├ťberproduktion, dass die Gem├╝sel├Ąden kistenweise Tomaten, Gurken oder anderes wegwerfen mu├čten. Wegwerfen war billiger als das ├╝bersch├╝ssige Gem├╝se wieder in eine Fabrik zum konservieren zu fahren. So verteilte sich die ├╝bersch├╝ssige Ernte und landete als Eingewecktes im Keller so mancher Familie.

Auch in der Stadt konnte man im Sommer billig an Gem├╝se kommen, um es f├╝r den Winter zu konservieren. Sogar an Waldfr├╝chte kam der Stadtmensch heran, wenn er sich zielgerichtet ein Wochenende Zeit nahm. Leider wissen Stadtbewohner in aller Regeln nicht, wo im fremden Wald irgendwas wo w├Ąchst, so dass sie dann doch meist auf Mithilfe l├Ąndlicher "Experten" angewiesen waren.

Alles in allem gab es deshalb nat├╝rlich eine Unterscheidung zwischen der Stadt- und Landbev├Âlkerung bez├╝glich der Produkte und ihrer Verf├╝gbarkeit in freier Wildbahn. Aber es war nicht so, dass grunds├Ątzlich nur l├Ąndliche Bewohner ├╝ber M├Âglichkeiten zur Eigenversorgung verf├╝gten.


Autor: nokiland


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Schlagwörter: Eigenversorgung Versorgungsengp├Ąsse


Teil 1: Eigenversorgung in der ehemaligen DDR
Teil 2: Eigenanbau von Gem├╝se, Obst und Kr├Ąuter im Garten
Teil 3: Versorgung ├╝ber die Obstb├Ąume der Landstra├čen
Teil 4: Hasen, H├╝hner und G├Ąnse aus eigener Zucht
Teil 5: Eigenversorgung ├╝ber den Wald
Teil 6: Holzversorgung erlaubte unglaublich geringe Heizkosten
Teil 7: Unterschiede bei der Selbstversorgung auf dem Land und in der Stadt
Teil 8: Warum war die Eigenversorgung in der DDR so ausgepr├Ągt?