Themen | Mauer, Wende, Einheit

Wenn ein Land stirbt


Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt, sagt die Welt, dass er zu fr├╝h geht. Wenn ein Mensch lange Zeit lebt, sagt die Welt, es ist Zeit.ÔÇť So beginnt ein Lied der Puhdys aus DDR-Zeiten. Aber was ist, wenn ein Land stirbt? Es gibt erstaunliche Parallelen.


Pr├Ązisionsschraubstock als Gesellenst├╝ck
©RSM 
Angefangen hat alles mit einer Fahrt nach Berlin um ein Ladung von 30.000 Dias zu kaufen. Nat├╝rlich konnte ich den Transport nicht abwarten und nahm eine erste Kofferraumladung gleich mit. Zuhause war es dann wie zu Weihnachten. Was erwartet mich, was finde ich? Ein Fund bewegte mich ganz besonders. Ein kleiner Schraubstock mit einer Gravur auf der Unterseite, ein Name. Auf den ersten Blick wurde mir klar ich was ich in den H├Ąnden hielt. Es brauchte keine Sekunde, um eigene Erinnerungen wach werden zu lassen. Es handelte sich um ein Unikat, das es so nur einmal auf der Welt gibt. Ein sogenanntes Gesellen- oder Meisterst├╝ck. Als ehemaliger Schlosser kenne ich sowas. Zum Ende der Ausbildung musste ich eine Schraubzwinge aus einem Stahlblock s├Ągen und feilen. Nur das Vorbohren f├╝r das Gewinde wurde mit einer Maschine erledigt. Alles andere war Handarbeit. Ebenso bei diesem kleinen, massiven und aber sehr schwerem Schraubstock. Ein Pr├Ązisionsteil. Ohne Spiel, nie rostend. Sogar verschraubte Elemente wurden mit demselben Drehmoment versehen, jeder Schraubenschlitz steht in derselben Ausrichtung. Dieses weggeworfene St├╝ck Handwerkskunst fasziniert mich. Ich werde es wohl in eine Vitrine stellen. In diesem St├╝ck, das in vielen Tagen entstand, stecken die Seele und die Gedanken des Sch├Âpfers.

Nein, das ist nicht nur so eine Floskel. Ich kenne das, was von einem selbst in so ein Meisterst├╝ck einflie├čt. Am Anfang ist ein St├╝ck Stahl, eine technische Zeichnung und der Auftrag: Fertige aus einem Klumpen Stahl ein Pr├Ązisionswerkst├╝ck. Man sitzt davor und geht gedanklich Wege durch, wo man ansetzt, an welcher Stelle man zuerst die Feile ansetzt um die Form heraus zu arbeiten. Man nimmt einen Winkel zur Hand und ├╝berpr├╝ft alle paar Sekunden das Resultat. Wurde zu viel weg genommen, kann man das ausgleichen? Zur Entgratung der Kanten wird mit ├Ąu├čerstem Fingerspitzengef├╝hl vorgegangen. Einmal nicht aufgepasst und der Rohling ist f├╝r die Katz. Das Anrei├čen und K├Ârnern der Bohrpunkte treibt den Schwei├č auf die Stirn. Keine CNC gesteuerte Maschine tr├Ągt die Verantwortung f├╝r die Genauigkeit im hundertstel Millimeterbereich, es ist der "Sch├Âpfer", welcher f├╝r Nicht-Fachleute mit einer unglaublichen Pr├Ązision werkelt. Da stecken Schwei├č und Stirnfalten des Herstellers drin, man k├Ânnte einen Kurzfilm drehen, so plastisch sehe ich den Maschinenbauer vor mir.

Verglichen mit einem Baumarkt-Schraubstock ist dieser der Mercedes in Pr├Ązision. Vergleichbare, industriell gefertigte Pr├Ązisionsschraubst├Âcke fangen bei 50 Euro an, wenn man sie bei eBay kauft.

Durch den Ankauf von Dias ist das Teil jetzt bei mir gelandet. Der "Sch├Âpfer" ist wohl gestorben und seine Kinder haben all sein Hab und Gut weg geworfen. Erinnerungsfotos, Dias und eben dieses Meisterst├╝ck, vom Vater in Handarbeit vor vielen Jahren hergestellt. Gleich bei dem Anblick fiel mir spontan von den Puhdys "Wenn ein Mensch lebt" ein. Wenn ein Mensch stirbt, was bleibt von ihm? Viele Verwandte sagen geringsch├Ątzig "Schrott und M├╝ll". Sie haben keinen Bezug zu den Dingen, die dem Verstorbenem so wichtig waren, dass er sie bis zu seinem Tod zig Jahrzehnte lang aufbewahrte. Woher kommt dieses Fehlen jeglicher Empathie in den K├Âpfen der Kinder oder Enkel? Diese K├Ąlte? Stellt euch vor, ihr h├Ąngt an etwas. Ihr w├╝rdet es nie weg werfen. Und dann, nach dem Tod kommen die Kinder und werfen eben achtlos das weg, was einem soviel bedeutet hat. Macht das nicht traurig, wie wenig die eigenen Kinder das respektieren was einem Menschen einmal viel bedeutet hat?


Autor: nokiland


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Teil 1: Wenn ein Land stirbt
Teil 2: Im Spiegel der Erinnerung
Teil 3: Die Ära Ulbricht
Teil 4: Die Ära Honecker
Teil 5: Der Blick ├╝ber die Mauer
Teil 6: Der Blick nach vorn
Teil 7: Die Erben der DDR




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